Sex mit dem Handwerker – die Wanne auf Löwenfüßen
·11 Min. Lesezeit
Es gibt diesen Witz über Sex mit dem Handwerker, den jede Frau kennt, die schon einmal allein ein Haus gekauft hat. Ich habe ihn mir drei Wochen lang jeden Morgen vorgesagt, damit ich nicht vergesse, dass es ein Witz ist. Dann war das Bad fertig, und ich habe aufgehört, ihn komisch zu finden.
Ich heiße Birte, ich bin 46 Jahre alt und übersetze schwedische Kriminalromane ins Deutsche. Nach der Scheidung hatte ich zwei Dinge: das Geld aus meiner Hälfte der Eigentumswohnung in Leipzig und den festen Willen, nie wieder in einem Neubau mit Fußbodenheizung und Fenstern ohne Griff zu wohnen. Ich kaufte ein schmales Gründerzeithaus in Görlitz, drei Etagen, ein Garten mit einem Birnbaum, der aussah, als hätte er schon Napoleon vorbeiziehen sehen.
Und ich kaufte, ohne es zu wissen, das Bad.
Es lag im ersten Stock, hinter einer Tür mit Milchglas, und unter vier Schichten Linoleum und einer Verkleidung aus braunen Plastikpaneelen versteckte sich ein Raum von 1910. Weiße Wandfliesen mit einer Bordüre aus grünen Weinranken. Ein Boden aus kleinen schwarz-weißen Platten, achteckig, wie ein Schachbrett, das jemand zu lange gewaschen hatte. Und in der Mitte, unter einem Berg aus Bauschutt, eine gusseiserne Badewanne auf vier Löwenfüßen.
„Die kriegen Sie nicht mehr hin“, sagte der erste Fliesenleger. „Alles raus, neu machen, Feinsteinzeug, sieht doch auch schön aus.“
Der zweite sagte dasselbe, nur unfreundlicher.
Der dritte war Mirko.
Der Mann, der mit Fliesen redet
Er kam an einem Dienstag im März und stand eine ganze Minute schweigend in meinem Bad. Ein großer Mann, breitschultrig, mit kurz geschorenen grauen Haaren und einem Gesicht, das viel draußen gewesen war. Er hockte sich hin, strich mit dem Daumen über eine der grünen Weinranken und sagte leise: „Na, ihr. Hat man euch zugeklebt.“
Ich stand in der Tür und wusste nicht, ob ich lachen sollte.
„Mettlacher Platten“, sagte er dann, ohne sich umzudrehen. „Villeroy und Boch, schätze ich, um 1905. Die Bordüre ist handbemalt. Die Hälfte kriege ich ab, ohne dass sie bricht. Den Rest suche ich auf Abbruchbörsen. Dauert. Kostet. Aber danach haben Sie das schönste Bad in Görlitz.“
„Und die Wanne?“
Er stand auf und klopfte mit dem Fingerknöchel gegen das Gusseisen. Es klang wie eine sehr tiefe Glocke.
„Die Wanne“, sagte er, „überlebt uns beide.“
Mirko war 49, Fliesenlegermeister mit einem Ein-Mann-Betrieb in der Nähe von Zittau. Er arbeitete langsam und genau und redete dabei mit dem Material. Ich hörte ihn durch die Tür, während ich unten am Küchentisch versuchte, einen Kommissar durch Göteborg zu übersetzen. „Komm, komm, nicht zicken.“ – „So ist brav.“ – „Ach du Mist, du auch noch.“ Er löste jede Fliese einzeln mit einem dünnen Spachtel und einem Föhn, der den alten Kleber weich machte, und legte sie auf Zeitungspapier aus, nummeriert, als würde er ein Skelett ausgraben.
Am dritten Tag brachte ich ihm Kaffee. Am fünften backte ich einen Streuselkuchen, angeblich, weil ich den Ofen ausprobieren wollte. Er aß drei Stück im Stehen, im Türrahmen, Staub auf den Unterarmen, und sagte: „Frau Lindqvist, wenn Sie so weitermachen, werde ich nie fertig.“
„Ich heiße nur auf dem Papier Lindqvist. Das ist der Name meines Exmannes. Sag Birte.“
„Mirko.“ Er wischte sich die Hand an der Hose ab und hielt sie mir hin. Sie war rau und warm und vollständig mit grauem Fugenstaub bedeckt, und ich hielt sie einen Moment zu lange.
Drei Wochen und ein Schachbrett
Ich weiß nicht genau, wann es anfing. Vielleicht an dem Abend, an dem es zu regnen begann und er nicht fahren wollte, weil sein Scheibenwischer kaputt war, und wir in meiner halb eingerichteten Küche saßen und Rotwein aus Senfgläsern tranken, weil die richtigen Gläser noch in einem Umzugskarton steckten.
„Warum machst du das?“, fragte ich. „Die anderen haben gesagt, das lohnt sich nicht.“
„Für die anderen lohnt sich das auch nicht.“ Er drehte das Senfglas zwischen den Fingern. „Meine Frau hat immer gesagt, ich bin der einzige Mensch, der beim Abriss weint.“
„Hat?“
„Sie lebt in Dresden. Mit einem Zahnarzt. Wir sind seit sechs Jahren auseinander. Es geht ihr gut. Mir auch, meistens.“ Er sah mich an. „Und du? Lindqvist?“
„Ein Schwede. Einundzwanzig Jahre. Er hat irgendwann aufgehört, mich anzusehen. Nicht böse. Einfach so. Wie man aufhört, ein Bild an der Wand zu bemerken.“
Mirko sagte nichts dazu. Aber als er ging, im Regen, mit dem kaputten Scheibenwischer, blieb er auf der Treppe stehen und drehte sich um.
„Birte“, sagte er. „Ich sehe dich.“
Dann fuhr er, sehr langsam, die Straße hinunter, und ich stand noch eine Viertelstunde im Flur und hatte Herzklopfen wie mit zwanzig.
In der dritten Woche verlegte er den Boden. Er kniete stundenlang auf einem Kissen, legte achteckige Platte neben achteckige Platte, schwarz, weiß, schwarz, und ich setzte mich manchmal mit meinem Laptop auf den Flur und arbeitete dort, nur um ihm zuzusehen. Seine Hände waren so groß, und trotzdem setzte er jede Platte mit einer Zartheit, die mich nachts wach hielt. Nachts dachte ich daran, wie diese Hände wohl auf Haut wären.
Einmal, als ich ihm einen Eimer reichte, berührten sich unsere Finger, und keiner von uns zog sie weg.
„Ich bin dein Kunde“, sagte ich leise.
„Ich weiß.“
„Und das ist ein Klischee.“
„Ich weiß.“ Er ließ den Eimer los, aber nicht meine Hand. „Deswegen mache ich erst das Bad fertig. Ich fange nichts an, solange du mir Geld schuldest. Das ist mir wichtig.“
„Und dann?“
„Dann fragst du mich. Oder du fragst mich nicht. Beides ist in Ordnung.“
Die Schlussrechnung
Am Freitag der dritten Woche war das Bad fertig.
Ich stand in der Tür und konnte nicht sprechen. Die Wände leuchteten weiß, die grünen Weinranken liefen wie ein Band um den ganzen Raum, nur an einer Stelle über dem Waschbecken war eine einzige Ranke etwas dunkler, ein anderes Grün, aus Bautzen. Der Boden glänzte. Und in der Mitte stand die Wanne, frisch emailliert, weiß wie Milch, die Löwenfüße schwarz lackiert, und Mirko hatte zwei Messinghähne angeschlossen, die er auf irgendeinem Flohmarkt gefunden hatte.
„Die dunkle Ranke“, sagte er hinter mir. „Die war nicht zu retten. Ich hab eine nachgekauft. Wenn du genau hinsiehst, sieht man den Unterschied.“
„Ich will den Unterschied sehen“, sagte ich. „Jeden Tag.“
Er legte mir die Rechnung auf den Küchentisch. Ich überwies sie, während er danebensaß, mit meinem Handy, und zeigte ihm den Bildschirm.
„Bezahlt“, sagte ich.
„Bezahlt“, sagte er.
Dann war es eine Weile ganz still in der Küche. Draußen am Birnbaum zankten zwei Amseln.
„Mirko“, sagte ich. Meine Stimme zitterte, und ich ließ sie zittern. „Ich frage dich jetzt. Ich möchte, dass du heute Abend bleibst. Ich möchte mit dir in diese Wanne. Und danach möchte ich mit dir schlafen. Wenn du das auch willst.“
Er sah mich lange an. Dann lächelte er, zum ersten Mal ganz, mit den Augen und mit den Falten darum.
„Ich will das seit dem Streuselkuchen“, sagte er. „Aber ich hab zwei Bedingungen.“
„Welche?“
„Ich dusche vorher. Ich hab drei Wochen Fugenstaub in Stellen, von denen du nichts wissen willst.“ Er stand auf. „Und wir füllen die Wanne gemeinsam. Die erste Füllung in einer Wanne, das macht man nicht allein.“
Die erste Füllung
Er duschte unten in der kleinen Gästedusche, die ich provisorisch hatte einbauen lassen, und ich stand oben im Bad und zündete Kerzen an, und dann blies ich sie wieder aus, weil es mir zu kitschig vorkam, und dann zündete ich sie doch wieder an. Als er die Treppe heraufkam, trug er nur ein Handtuch um die Hüften, und sein Haar war nass, und ohne den Staub sah er jünger aus und gleichzeitig verletzlicher.
Er drehte beide Messinghähne auf. Das Wasser rauschte in die Wanne, dampfend, und der Raum füllte sich mit warmem Nebel, der sich auf den Fliesen niederschlug, so dass die grünen Ranken glänzten, als hätte es eben geregnet.
„Jetzt du“, sagte er.
Ich trug ein graues Strickkleid und hatte plötzlich Angst vor dem Licht.
„Ich bin 46“, sagte ich. „Ich habe Dehnungsstreifen und einen Bauch und Brüste, die nicht mehr so stehen wie früher.“
„Und ich hab einen Rücken, der knackt, wenn ich aufstehe, und Knie wie ein alter Gaul“, sagte Mirko. Er nahm meine Hände. „Darf ich dich ausziehen?“
„Ja.“
Er zog mir das Kleid über den Kopf, langsam, und dann stand ich da in meiner Unterwäsche, schwarz, schlicht, und er sah mich an, mit diesem Blick, mit dem er die Fliesen angesehen hatte, bevor er sie abgelöst hatte. Aufmerksam. Zärtlich. Als wäre da etwas, das er nicht beschädigen durfte.
„Na, du“, sagte er leise, und ich musste lachen, und das Lachen nahm mir die Angst.
Er öffnete meinen BH. Seine Hände waren tatsächlich so, wie ich es mir nachts vorgestellt hatte. Rau an den Fingerkuppen, warm, schwer. Er umfasste meine Brüste, hob sie ein wenig an, strich mit den Daumen über die Brustwarzen, bis sie hart wurden, und ich hielt mich an seinen Schultern fest. Dann schob er mir den Slip über die Hüften, kniete sich dabei hin, auf meinen neuen Boden, auf das Schachbrett, und küsste meinen Bauch, genau über den Streifen, die ich so hasste.
„Die bleiben“, sagte er gegen meine Haut. „Die sind wie die dunkle Ranke.“
Ich zog ihm das Handtuch weg. Er war kräftig und behaart auf der Brust, grau und dunkel gemischt, und sein Schwanz stand schon halb, schwer, und wurde härter, während ich ihn ansah. Ich nahm ihn in die Hand, und Mirko schloss die Augen und atmete durch die Nase aus.
„Die Wanne läuft über“, sagte er.
„Lass sie.“
„Birte. Das ist ein neuer Boden.“
Ich drehte den Hahn zu. Wir lachten beide, nackt, in einem Raum voller Dampf, und dann stiegen wir hinein.
Im Wasser
Die Wanne war groß genug für zwei, wenn einer sich anlehnte und der andere sich zwischen seine Beine setzte. Ich lehnte mich mit dem Rücken an seine Brust. Das Wasser reichte uns bis an die Schultern. Seine Arme lagen um mich, und eine Weile taten wir nichts, außer zu atmen und auf die Ranken zu sehen.
Dann begann er, mich zu waschen.
Er nahm Seife und fuhr mir damit über die Schultern, die Arme, über die Brüste, glitschig und langsam, und ich spürte seinen Schwanz hart in meinem Rücken. Seine Hand glitt über meinen Bauch nach unten, zwischen meine Beine, und blieb dort liegen, ohne sich zu bewegen.
„Ist das in Ordnung?“, fragte er an meinem Ohr.
„Mehr als das. Mach weiter.“
Er streichelte mich. Erst ganz außen, über die Schamlippen, dann zwischen ihnen, und dann fand er meinen Kitzler und kreiste darum, unter Wasser, mit der gleichen Geduld, mit der er drei Wochen lang Fliese um Fliese gesetzt hatte. Ich legte den Kopf in den Nacken auf seine Schulter. Mit der anderen Hand hielt er meine Brust und rollte die Warze zwischen den Fingern. Das Wasser schwappte leise gegen das Email. Ich war seit zwei Jahren von niemandem mehr so berührt worden, und mein Körper hatte es nicht vergessen, er hatte nur gewartet.
Als er einen Finger in mich schob, dann zwei, hielt ich mich am Wannenrand fest. Er bewegte sie langsam, krümmte sie, und mit dem Daumen blieb er auf meinem Kitzler, und ich hörte mich stöhnen, laut, in diesem Raum mit den harten Wänden, die jeden Ton zurückwarfen. Es war mir egal. Das Haus gehörte mir. Die Nachbarn waren auf Mallorca, das wusste ich, weil ich ihre Katze fütterte.
„Ich komme“, sagte ich, überrascht.
„Dann komm.“
Ich kam mit einem Zittern, das bis in meine Zehen lief, die gegen das Gusseisen am Fußende drückten. Wasser schwappte über den Rand. Mirko hielt mich fest, bis es vorbei war, und küsste meinen Hals, und dann sagte er sehr ernst: „Der Boden ist jetzt nass.“
„Der Boden hält das aus. Hast du gesagt. Hundertzwanzig Jahre.“
„Stimmt.“
Im Bett
Wir trockneten uns nicht richtig ab. Wir gingen tropfend über den Flur ins Schlafzimmer, wo das Bett unter dem Dachfenster stand, und ich zog ihn auf mich und küsste ihn, und diesmal war nichts mehr langsam.
Er küsste sich an mir hinunter, über die Brüste, über den Bauch, und dann lag sein Kopf zwischen meinen Schenkeln, und er leckte mich, mit breiter, warmer Zunge, als hätte er nichts anderes vor in diesem Leben. Ich griff in sein kurzes Haar. Er saugte an meinem Kitzler, ließ los, saugte wieder, und ich war noch so empfindlich vom ersten Mal, dass ich ihn wegschieben und gleichzeitig festhalten wollte.
„Ich will dich in mir“, sagte ich. „Jetzt.“
Ich hatte Kondome in der Nachttischschublade, am Mittwoch in einer Drogerie am anderen Ende der Stadt gekauft. Jetzt war ich froh. Mirko streifte es über, und ich sah ihm dabei zu und fand nichts daran albern.
Er drang langsam in mich ein. Er war dick und füllte mich ganz aus, und ich legte die Beine um seine Hüften und zog ihn tiefer. Er stützte sich auf die Unterarme und sah mir ins Gesicht, während er sich bewegte, lange, tiefe Stöße, und unter dem Dachfenster wurde es langsam dunkel.
„Sieh mich an“, sagte er. „Nicht die Augen zumachen.“
Ich sah ihn an. Ich sah ihn an, während er mich fickte, erst langsam, dann fester, und das Bett schlug gegen die Wand, und ich krallte mich in seinen Rücken, und er schob eine Hand unter meinen Hintern und hob mich an, so dass er noch tiefer kam. Ich griff zwischen uns und rieb mich selbst, und er sah mir dabei zu und stöhnte meinen Namen.
Ich kam zum zweiten Mal, mit offenen Augen, wie er es wollte, und er sah es und kam kurz danach, tief in mir, mit einem langen, rauen Laut, und blieb danach schwer auf mir liegen, und ich wollte nicht, dass er sich jemals wieder bewegt.
Die dunkle Ranke
Er blieb das Wochenende. Am Sonntag zeigte er mir etwas. Er nahm mich mit ins Bad und kniete sich neben die Wanne und klopfte mit dem Knöchel gegen eine der Bodenplatten, ganz hinten, unter dem linken Löwenfuß, wo man nur hinsieht, wenn man auf dem Boden liegt.
Die Platte war nicht schwarz und nicht weiß. Sie war grün. Weinrankengrün.
„Das mache ich in jedem Bad“, sagte er. „Eine Fliese, die nicht dazugehört. Die sieht nur der, der danach sucht.“
„Und was heißt sie hier?“
Er stand auf, mit knackenden Knien, und sah mich an.
„Dass ich wiederkomme“, sagte er. „Wenn du willst. Nicht als Handwerker.“
Ich wollte. Ich habe den Witz über Sex mit dem Handwerker seitdem nie wieder erzählt. Wenn mich Freundinnen fragen, wie ich Mirko kennengelernt habe, sage ich, er hat mein Bad gerettet. Das stimmt. Und manchmal, abends, wenn wir zusammen in der Wanne liegen, lasse ich das Wasser ein bisschen überlaufen, nur um zu sehen, wie er „Der Boden!“ sagt.
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