Im Swingerclub – unser erstes Mal zu viert
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Wir saßen seit zwölf Minuten im Auto vor dem Swingerclub, und Max hatte den Motor noch immer nicht ausgemacht.
„Wir können auch einfach zum Italiener fahren“, sagte er. „Tisch für zwei, Tiramisu, keiner muss je davon erfahren.“
„Du hast Angst.“
„Ich habe keine Angst. Ich habe Respekt.“ Er drehte den Zündschlüssel, und das Brummen verstummte. In der plötzlichen Stille hörte ich den Regen auf dem Dach. „Okay. Ein bisschen Angst.“
Ich bin Sophie, 35 Jahre alt, Bauingenieurin aus Bielefeld. Max ist 38, Koch, und wir sind seit neun Jahren zusammen. Neun gute Jahre. Wir haben eine Wohnung mit zu kleinem Balkon, einen Sauerteig, der älter ist als manche Ehe in unserem Freundeskreis, und ein Sexleben, über das ich mich nie beklagt habe. Aber irgendwann, nach einer Flasche Rotwein und einem Film, in dem zwei Paare in einer Strandvilla ein bisschen zu lange miteinander tanzten, hatte ich gesagt: „Stell dir vor, wir würden das machen.“
Und Max hatte nicht gelacht. Er hatte nachgedacht.
Das war vor drei Jahren. Seitdem hatten wir darüber geredet, im Bett, beim Kochen, auf langen Autofahrten. Wir hatten Erfahrungsberichte gelesen und Regeln aufgeschrieben, auf einen Zettel, der jetzt in meinem Portemonnaie steckte. Wir hatten uns die Internetseite des Clubs so oft angesehen, dass ich die Fotos der Bar auswendig kannte. Und an diesem Samstag im Oktober saßen wir endlich davor.
„Lies sie noch mal vor“, sagte Max. „Die Regeln.“
Ich faltete den Zettel auseinander. „Eins: Wir gehen zusammen rein und zusammen raus. Zwei: Keiner von uns macht etwas, das der andere nicht sieht oder nicht will. Drei: Kondome, immer. Vier: Wenn einer ‚Nordsee‘ sagt, ist sofort Schluss, ohne Diskussion, ohne beleidigt sein. Fünf: Wir müssen heute gar nichts.“
„Fünf ist meine Lieblingsregel.“
„Meine auch.“ Ich sah ihn an. „Willst du rein?“
Er nahm meine Hand. Seine war warm und ein bisschen feucht. „Ja“, sagte er. „Ich will rein. Mit dir.“
Der Club lag in einem umgebauten Gutshaus am Stadtrand, weiß verputzt, mit Sprossenfenstern und einer schweren Holztür, über der eine einzelne rote Lampe brannte. Eine Frau Anfang fünfzig öffnete uns, kurze graue Haare, schwarzes Kleid, ein Lächeln, das sofort die halbe Nervosität aus meinen Schultern nahm.
„Ihr seid zum ersten Mal hier“, sagte sie. Keine Frage. „Ich bin Marion. Kommt rein, ich zeige euch alles, und dann lasse ich euch in Ruhe.“
Sie führte uns herum, als wären wir Gäste in einem guten Hotel. Die Umkleide mit den Spinden, wo jeder einen Bademantel und Handtücher bekam. Die Bar mit dem langen Tresen aus dunklem Holz, Ledersofas und einem Kamin, in dem echtes Holz knisterte. Den Whirlpool, die Sauna. Und dann, eine Treppe höher, den Flur mit den Zimmern.
„Die Hausregeln stehen überall angeschlagen“, sagte Marion. „Die wichtigste ist ganz einfach: Nein heißt nein, und ein Zögern heißt auch nein. Wer drängelt, fliegt raus. Kondome liegen in jedem Zimmer. Und das hier“, sie klopfte an eine der Türen, „sind die Separees. Tür zu heißt: privat. Da geht niemand rein, der nicht hineingebeten wird. Zum Abschließen ist der Riegel innen.“
Max und ich sahen uns an. Wir hatten beide denselben Gedanken, das sah ich ihm an: Eine Tür, die man abschließen kann. Gut.
In der Umkleide zog ich mich um. Ich hatte lange überlegt und mich am Ende für schwarze Spitzenwäsche entschieden, BH und Slip, und darüber einen kurzen, seidigen Kimono in Dunkelrot, den ich mir extra für diesen Abend gekauft hatte. Max trug schwarze Boxershorts und einen Bademantel und sah darin aus wie ein Mann, der in einem Spa auf seine Massage wartet. Ich musste lachen.
„Was?“
„Nichts. Du siehst gut aus.“
„Du siehst unfassbar aus“, sagte er, ganz ernst, und küsste mich, bevor wir hinausgingen.
An der Bar war es voller, als ich gedacht hatte. Vielleicht fünfzehn Paare, ein paar einzelne Frauen, alle zwischen dreißig und sechzig. Die meisten saßen einfach da, in Bademänteln oder Unterwäsche, tranken etwas, redeten, lachten. Es sah weniger nach Orgie aus als nach einer Party unter Freunden, bei der zufällig niemand mehr als Unterwäsche trug. Max bestellte zwei Gläser Sekt und ich eine Flasche Wasser dazu. Wir hatten ausgemacht, dass es bei einem Glas bleibt. Ich wollte jede Sekunde dieses Abends mit klarem Kopf erleben.
Wir hatten uns gerade auf ein Sofa am Kamin gesetzt, als die Frau neben uns sich zu mir drehte.
„Erstes Mal?“
Ich muss rot geworden sein. „Sieht man das so deutlich?“
„Nur weil ihr euch an den Händen festhaltet, als würde gleich das Flugzeug abstürzen.“ Sie lachte, ein tiefes, warmes Lachen. „Keine Sorge. Wir sahen vor sechs Jahren genauso aus. Ich bin Carla.“
Carla war 40, Steuerberaterin aus Gütersloh, hatte dunkle Locken bis über die Schultern, ein Muttermal über der Oberlippe und trug einen schwarzen Body, der wenig verbarg und noch weniger verbergen wollte. Ihr Mann hieß Henning, 43, Tischler, ein großer Kerl mit grauem Bart, Lachfalten und Händen, die aussahen, als könnten sie eine Eichenplatte allein tragen. Er gab Max die Hand, dann mir, und sagte: „Willkommen. Das Wichtigste vorweg: Hier muss man gar nichts.“
„Regel Nummer fünf“, sagten Max und ich gleichzeitig, und dann lachten wir alle vier.
Wir redeten. Über Gütersloh und Bielefeld und darüber, dass es zwischen beiden Städten erstaunlich viel Rivalität für so wenig Unterschied gibt. Über Hennings Werkstatt und Max’ Restaurant. Über ihren ersten Abend hier, an dem sie nach einer Stunde wieder gefahren waren, weil Henning plötzlich Bauchschmerzen bekommen hatte. „Reine Nervosität“, sagte Carla. „Beim dritten Mal sind wir dann geblieben.“
Und irgendwann, ich weiß nicht mehr genau wann, merkte ich, dass Carlas Knie an meinem lag. Und dass Henning, wenn er redete, Max ansah, aber immer wieder zu mir hinüberblickte. Und dass Max’ Hand auf meinem Oberschenkel nicht mehr nervös war, sondern langsam kleine Kreise zog.
Carla bemerkte es auch. Sie lehnte sich zu mir, so nah, dass ich ihr Parfum roch, etwas mit Feige und Holz.
„Ihr zwei gefallt uns“, sagte sie leise. „Sehr sogar. Aber ihr entscheidet, ob und wie viel. Wir können auch einfach weiter hier sitzen und reden. Das ist völlig in Ordnung.“
Ich sah Max an. Er sah mich an. Neun Jahre. Ich kannte jedes Zucken in diesem Gesicht, und was ich darin sah, war keine Angst mehr.
„Wir müssen kurz reden“, sagte ich. „Nur wir zwei.“
„Natürlich“, sagte Henning. „Wir laufen nicht weg.“
Max und ich gingen in den Flur, an den Spinden vorbei, bis zu einem Fenster, hinter dem der Regen auf den Hof fiel.
„Und?“, fragte ich.
„Ich finde sie toll. Beide.“ Er fuhr sich durch die Haare. „Und ich habe gesehen, wie Henning dich ansieht. Und weißt du was? Es macht mich nicht eifersüchtig. Es macht mich an. Ist das verrückt?“
„Nein.“ Ich legte die Hände an seine Brust. „Mir geht es mit Carla genauso. Ich will, dass wir mit ihnen in so ein Zimmer gehen. Tür zu. Und dann sehen wir, wie weit wir kommen.“
„Und wenn einer von uns …“
„Nordsee“, sagte ich. „Dann sagen wir Nordsee, und wir fahren zum Italiener.“
Er lachte und küsste mich, lange, und ich spürte durch den Bademantel, wie sehr ihm der Gedanke gefiel.
Das Separee war größer, als ich erwartet hatte. Gedimmtes Licht, warm und rötlich, eine riesige Liegefläche mit schwarzem Laken, ein Spiegel an der Wand, eine Schale mit Kondomen, Gleitgel und frischen Handtüchern. Henning schob den Riegel vor. Das Klicken war das lauteste Geräusch, das ich je gehört hatte.
Wir standen zu viert um das Bett herum, und für einen Moment wusste niemand, was jetzt passieren sollte. Dann lachte Carla und setzte sich auf die Kante.
„Bevor wir anfangen“, sagte sie. „Was wollt ihr? Und was wollt ihr nicht?“
Ich hatte nicht erwartet, dass es so einfach sein würde, darüber zu reden. Max sagte, dass er gern sehen würde, wie ich Carla küsse. Ich sagte, dass ich wissen wolle, wie es sich anfühlt, wenn Henning mich anfasst, während Max zusieht und mich festhält. Henning sagte, dass für ihn alles in Ordnung sei, solange es für Carla in Ordnung sei, und Carla sagte, dass sie das alles wolle, und noch mehr, und dass sie es liebe, wenn man vorher fragt und mittendrin noch mal.
„Und Analsex nicht“, sagte ich, „nicht heute.“
„Notiert“, sagte Henning ernsthaft, und ich hätte ihn dafür küssen können.
Also tat ich es nicht. Ich küsste Carla.
Ich hatte noch nie eine Frau geküsst. Ihre Lippen waren weicher, als ich es mir vorgestellt hatte, und sie küsste langsam, fast neugierig, ihre Hand an meiner Wange. Sie schmeckte nach Sekt und ein bisschen nach Minze. Ich hörte, wie Max hinter mir scharf einatmete, und dann spürte ich seine Hände an meinem Kimono, wie er ihn mir von den Schultern streifte. Die Seide glitt an meinem Rücken hinunter und fiel aufs Laken.
Carla öffnete meinen BH mit einer Hand, so selbstverständlich, als hätte sie es schon hundertmal getan. Dann sah sie mich an. „Darf ich?“
„Ja.“
Sie beugte sich vor und nahm meine Brustwarze in den Mund. Ich stöhnte auf, so laut, dass ich selbst erschrak. Max stand hinter mir, ich lehnte an seiner Brust, spürte seinen harten Schwanz durch die Boxershorts an meinem Hintern, und vor mir kniete Carla und saugte an meinen Brüsten, abwechselnd, mit Zunge und Lippen und ganz leicht mit den Zähnen.
Henning stand am Bettende und sah uns zu. Er hatte den Bademantel ausgezogen. Er war breit und kräftig, die Brust grau behaart, und in seinen schwarzen Shorts zeichnete sich deutlich ab, wie sehr ihm gefiel, was er sah.
„Komm her“, sagte ich zu ihm. Meine Stimme klang fremd. Rau.
Er kam. Er kniete sich neben Carla auf das Bett und sah mich an, sah dann Max an. Max nickte. Und Henning legte eine große, warme Hand auf meinen Bauch und ließ sie langsam tiefer gleiten, bis zum Rand meines Slips. Er wartete.
„Ja“, sagte ich. „Bitte.“
Seine Finger glitten unter die Spitze. Ich war so nass, dass es mir fast peinlich war. Er stöhnte leise, als er es spürte, und strich langsam durch meine Schamlippen, umkreiste meinen Kitzler, ganz leicht, beinahe vorsichtig. Hinter mir küsste Max meinen Hals und flüsterte mir ins Ohr: „Du bist wunderschön so. Ich will, dass du das genießt.“
Ich genoss es. Ich hatte nicht gewusst, dass man so viel auf einmal fühlen kann. Carlas Mund an meinen Brüsten, Hennings Finger zwischen meinen Beinen, Max’ Arme um mich, sein Atem an meinem Ohr. Vier Hände, drei Münder, und alles nur für mich. Ich kam schneller, als ich es für möglich gehalten hätte, mit einem langen, zitternden Laut, und Max hielt mich fest, während meine Knie nachgaben.
Ich ließ mich auf das Laken sinken und lachte atemlos. „Oh Gott. Und wir haben noch nicht mal richtig angefangen.“
„Siehst du“, sagte Carla und lächelte. „Deshalb kommt man wieder.“
Danach löste sich etwas. Die Nervosität, das Abwartende, die Sorge, etwas falsch zu machen, alles war plötzlich weg. Ich zog Carla zu mir herunter und half ihr aus dem Body, und sie lag nackt neben mir, mit vollen, schweren Brüsten und einem kleinen Tattoo einer Schwalbe auf der Hüfte. Max sah sie an, und dann sah er mich an, eine Frage in den Augen.
„Ja“, sagte ich. „Ich will sehen, wie du sie anfasst.“
Carla zog ihn neben sich und küsste ihn, und ich sah zu, wie mein Mann eine andere Frau küsste, und fühlte etwas, das ich nicht erwartet hatte: keinen Stich, sondern ein heißes, wildes Kribbeln, das mir direkt zwischen die Beine fuhr. Er küsste sie anders als mich. Vorsichtiger. Und als sie ihm die Boxershorts herunterzog und ihre Hand um seinen Schwanz schloss, sah er zu mir herüber, als wollte er sicher sein, dass ich noch da war.
Ich war da. Ich nahm seine Hand und drückte sie.
Henning lag inzwischen neben mir. Er hatte seine Shorts ausgezogen, und ich sah ihn mir an, ohne Scham. Er war dicker als Max, nicht länger, aber dicker, mit einer kräftigen Eichel, die vor Erregung glänzte. Ich legte meine Hand um ihn und spürte, wie er pulsierte.
„Darf ich dich in den Mund nehmen?“, fragte ich. Es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich das einen Fremden fragte, und es fühlte sich unglaublich an.
„Wenn du das willst“, sagte er heiser, „sehr gern.“
Ich nahm ihn in den Mund. Er war schwer auf meiner Zunge, salzig und warm, und ich bewegte mich langsam, ließ ihn tief hineingleiten und wieder hinaus, leckte an der Unterseite entlang. Er legte mir eine Hand auf die Schulter, nicht auf den Kopf, und stöhnte leise. Neben uns hörte ich Carla lachen und dann seufzen, und als ich hinübersah, kniete Max zwischen ihren Beinen und leckte sie, und sie hatte die Hände in seinen Haaren und den Kopf in den Nacken gelegt.
Im Spiegel an der Wand sah ich uns alle vier. Ein Knäuel aus Armen und Beinen und Haut im roten Licht. Es sah aus wie ein Bild, das jemand gemalt hatte. Es sah aus wie wir.
„Sophie.“ Henning zog mich sanft von sich weg. „Wenn du so weitermachst, ist es vorbei. Ich will dich ficken, wenn du das auch willst. Und wenn Max das will.“
Ich sah zu Max hinüber. Er hob den Kopf von Carlas Schoß, die Lippen nass, die Augen dunkel.
„Willst du das?“, fragte ich ihn.
„Ich will es sehen“, sagte er. „Wenn du es willst.“
„Ich will es.“
Henning riss ein Kondom auf und streifte es sich über, und ich legte mich auf den Rücken und öffnete die Beine für ihn. Er beugte sich über mich, stützte sich auf die Unterarme, und sah mir in die Augen, als er in mich eindrang. Langsam. Er war so dick, dass ich die Luft anhielt, und er hielt inne.
„Alles gut?“
„Alles gut. Mehr.“
Er schob sich ganz in mich hinein, und ich stöhnte laut auf. Es war anders als mit Max. Fremder, schwerer, ein anderer Rhythmus, ein anderer Geruch, Holz und Salz und Rasierwasser. Er bewegte sich langsam und tief, und bei jedem Stoß rieb er an einer Stelle in mir, die mich die Finger ins Laken krallen ließ.
Neben uns hatte Max sich ein Kondom übergezogen, und Carla saß auf ihm, ritt ihn mit langsamen, kreisenden Hüften, die Hände auf seiner Brust. Er griff nach meiner Hand, und ich nahm sie, und so lagen wir da, mein Mann und ich, Hand in Hand, jeder mit einem anderen Menschen in sich, über sich, und sahen uns dabei an.
Ich hatte gelesen, dass das der Moment ist, in dem Paare entweder zerbrechen oder sich neu verlieben. Ich verliebte mich neu. In sein Gesicht, wie er stöhnte, wie er mich ansah, als wäre ich das Schönste in diesem Raum, obwohl eine andere Frau auf ihm saß.
„Ich liebe dich“, sagte ich, und es klang absurd und vollkommen richtig.
„Ich dich auch“, keuchte er. „Gott, Sophie. Ich dich auch.“
Henning wurde schneller. Er hob mein Bein auf seine Schulter, stieß tiefer, und ich spürte, wie sich der zweite Orgasmus anbahnte, von weit her, wie ein Gewitter hinter den Hügeln. Carla beugte sich zu mir herüber und küsste mich, während sie Max ritt, und ihre Hand fand meinen Kitzler und rieb ihn, schnell und genau richtig, und das war zu viel. Ich kam mit ihrem Mund auf meinem, mit Hennings Schwanz in mir, mit Max’ Hand in meiner, und es war der längste Orgasmus meines Lebens.
Henning kam kurz nach mir, mit einem tiefen Brummen, das ich in meiner Brust spürte. Carla kam auf Max, laut und ungeniert, und Max kam, als sie sich auf ihn fallen ließ, und dann lagen wir alle vier da, schwitzend, keuchend, lachend, auf einem schwarzen Laken in einem roten Zimmer in einem Gutshaus am Stadtrand von Bielefeld.
Lange sagte niemand etwas. Dann sagte Henning: „Also, ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich habe Hunger.“
Wir lachten, bis uns die Bäuche wehtaten.
Es war nach zwei, als wir wieder im Auto saßen. Der Regen hatte aufgehört. Max hatte die Handynummer von Henning in seinem Telefon, ich die von Carla in meinem. Wir hatten uns an der Tür umarmt, alle vier, und Carla hatte mir ins Ohr geflüstert: „Ihr wart großartig. Und ihr müsst gar nichts. Aber wenn ihr wollt, ruft an.“
Max ließ den Motor an und fuhr nicht los.
„Und?“, fragte er.
Ich sah aus dem Fenster auf die rote Lampe über der Tür. Mein Körper fühlte sich an, als hätte jemand alle Lichter darin angeschaltet. Ich dachte an Hennings Hände und Carlas Mund. Und vor allem dachte ich an Max’ Gesicht in diesem Moment, als wir uns angesehen hatten.
„Ich hatte Angst, dass ich dich heute ein bisschen verliere“, sagte ich. „Stattdessen habe ich das Gefühl, ich habe dich gerade zum ersten Mal richtig gesehen.“
Er schwieg eine Weile. Dann nahm er meine Hand und legte sie auf den Schaltknüppel, seine darüber.
„Nordsee haben wir übrigens nicht gebraucht“, sagte er.
„Nein.“
„Aber wir könnten trotzdem mal hinfahren. An die Nordsee. Zu viert.“
Ich drehte mich zu ihm um und sah, dass er grinste. Das Grinsen eines Mannes, der vor fünf Stunden noch zum Italiener fliehen wollte.
„Ich schreibe Carla morgen“, sagte ich.
„Schreib ihr heute“, sagte Max und fuhr los.
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